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12.06.2012

Wiener Weinpreis 2012: Der Wiener Wein ist eine Wucht

Das Jahr 2011 mit seinem sonnenverwöhnten Herbst bot den Wiener Winzern ideale Bedingungen: Zum jeweils optimalen Zeitpunkt konnten sie voll reife und gesunde Trauben ernten. Daraus entstanden kraftvolle, harmonische Weine mit angenehm reifer, perfekt eingebundener Säure, die mit jedem Schluck Trinkvergnügen bereiten. Und weil neben der Qualität beim Jahrgang 2011 auch die Menge passte, war die Konkurrenz um Goldmedaillen und Landessieger heuer besonders groß. 376 Weine waren eingereicht worden, 125 wurden mit einer Goldmedaille ausgezeichnet, 67 schafften es in die Finalverkostung, wo ein Experten-Panel die zwölf Landessieger ermittelt hat. „So eine Phalanx von mächtigen, vollmundigen und hochreifen Weinen konnten wir noch nie verkosten“, erklärte der Weinexperte und langjährige Verkostungsleiter Klaus Egle, „dennoch sind die Weine aufgrund der milden Säure und der ausprägten Struktur sehr angenehm zu trinken“. Ein Jahrgang also, dessen Weißweine vom Fleck weg Trinkvergnügen bereiten, während man sich auf die Roten, die großteils noch in den Fässern liegen, bereits jetzt freuen darf.

Highlights Wiener Gemischter Satz und Riesling
In einem qualitativ hochstehenden Umfeld stachen zwei Kategorien noch einmal besonders hervor: Der Wiener Gemischte Satz und der Riesling. Nachdem der einstmals berühmte Wiener Gemischte Satz lange Zeit von allen Verkostungslisten verschwunden war, feierte er in den vergangenen Jahren ein eindrucksvolles Comeback. Im Vorjahr gab es in der Finalverkostung für den Wiener Landesweinpreis erstmals zwei Gruppen, den klassischen und den kräftigen Wiener Gemischten Satz (ab 13 % Alkoholgehalt) und heuer zählten die Wiener Gemischten Sätze zu den Stars im Teilnehmerfeld. Gefielen die Vertreter im klassischen Bereich vor allem durch ihre saftige Frucht, ihre frische Würze im Duft und den leichtfüßigen, animierenden Trinkfluss, so zeigten die kräftigen Weine die ganze Vielschichtigkeit, die für diese Wiener Weinspezialität so charakteristisch ist: Das Spektrum der Obstnoten in der Nase spannt sich da von Äpfeln bis Bananen, Erdbeeren und rosa Grapefruits, dazu kommen würzige Aromen von Pfeffer über Kümmel bis zu Gras und Paprika aber auch klassische Reifetöne wie Biskuit und Buttertoast bei samtig-cremiger Textur. Eine Besonderheit sind die 2011er Rieslinge, die kräftige Struktur mit wunderbar frischen Steinobstnoten im Duft und Geschmack verbinden. Durch die hohe Traubenreife fast durchwegs mit einer leichten Restsüße ausgestattet, erinnern sie an große, deutsche Rieslinge – allerdings zumeist mit einem etwas höheren Alkoholgehalt zwischen 13 und 13,5 Prozent.

Die roten 2009er brummen
Unterstützt wurde der positive Gesamteindruck der Degustation noch dadurch, dass der Großteil der verkosteten Rotweine aus dem ebenfalls hervorragenden Jahrgang 2009 stammte. Vor allem die roten Cuvées und die Weine aus internationalen Rebsorten wie Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah unterstrichen eindrucksvoll, dass Rotwein aus Wien nicht nur ernst zu nehmen ist, sondern sogar ganz große Qualitäten bringen kann. Die Weine zeigten sich ausgesprochen reif, mit dichter, dunkler Beerenfrucht und einem weichen, schön eingebundenen Gerbstoff, der sie bereits jetzt zu einem exklusiven Trinkvergnügen macht, das sich mit den Jahren der Reife noch steigern wird.  Ganz anders im Charakter aber nicht minder eindrucksvoll der Pinot noir, der einmal mehr zeigte, dass sich diese anspruchsvolle Sorte auf Wiener Boden besonders wohlfühlt: Hohe Eleganz, süße Waldbeer-Frucht und ein feingliedriger Körper zeichnen diese Weine aus.

Das Verkostungspanel der Finalverkostung: Klaus Egle (Vorsitz), Josef M. Schuster, Franz Del Fabro (Del Fabro/Weinhandel), Martin Klement (Restaurant Livingstone/Planter’s Club), Viktor Siegl (Journalist/Vinaria), Dagmar Gross (Marketing für Genussprodukte), Robert Steidl (HBLA und BA Klosterneuburg), Peter Drobil (Bank Austria), Gabriele Burian (Sommelière), Andreas Hopf (Raiffeisen Centropa Invest), Peter Moser (Falstaff), Helmut Romé (Falstaff, European Cigar Cult Journal), Fritz Draxler (F & B Manager Club)